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Seit 2015 kursieren AMP regelmäßig in unseren Medien-News und spätestens seit März dieses Jahres dürfte die Google Technologie als “AMP for E-Mail” auch jedem E-Mail Marketer zu Ohren gekommen sein – schließlich birgt die Technologie das Potenzial in Kürze unser E-Mail Marketing zu revolutionieren. Wir haben uns deshalb für Sie genauer angeschaut, was es mit den vielbesprochenen AMP auf sich hat. In diesem Artikel lesen Sie nun, was Sie als E-Mail Marketer jetzt über AMP wissen müssen: Was sich überhaupt hinter AMP (for E-Mail) verbirgt und wie sie sich anwenden lassen, welche Argumente auch gegen ihre Verwendung sprechen könnten und wie AMP for E-Mail in Zukunft Ihr E-Mail Marketing verändern könnte. Darüber hinaus gibt unser Experte, Sascha Döll, eine Einschätzung, wie und wann AMP for E-Mail auch Sie erreichen werden.

Inhaltsverzeichnis

    1. Was sind AMP?
    2. Warum sind AMP so erfolgreich?
    3. Contra: Diese Argumente sprechen gegen die Verwendung von AMP
    4. AMP for E-Mail: Eine Revolution des E-Mail Marketings
    5. Das sagt Experte Sascha Döll zu AMP im Newsletter Marketing

Was sind AMP?

AMP ist die Abkürzung für Accelerated-Mobile-Pages (deutsch: beschleunigte mobile Seiten) und beschreibt Googles Open-Source-Projekt, mit dem sich extrem schnell ladende Webseiten erstellen lassen. Das Ziel: Eine verbesserte mobile User Experience. 

Die Technik, die hinter AMP steckt, ist dabei kaum mehr als “eingekochtes” HTML – eine vereinfachte Form der Programmiersprache mit weniger nutzbaren Tags und Einschränkungen für Java und CSS. Mittels dieser Technik wird eine vereinfachte Version – also eine Kopie – der eigentlichen Webseite angelegt, sodass die Website schließlich als Original, aber auch als AMP-Version existiert. Die AMP-Version wird dabei jedoch nicht auf dem Server der jeweiligen Webseite gespeichert, sondern liegt auf den Servern von Google. Auf diesem Weg entstehen die fast schon unverschämt schnellen Ladezeiten der AMP.

AMP for E-Mail
AMP laden vier- bis fünfmal schneller als normale mobil-optimierte Webseiten. Quelle: Google

Natürlich verfolgt Google mit seiner Open-Source-Technologie eigene strategische Ziele. Es ist also kaum verwunderlich, dass AMP nur kurze Zeit nach dem Launch der Facebook Instant Articles erschienen. Schließlich müsste man mit dem Facebook-eigenen Artikelformat das Netzwerk nie wieder verlassen, um Artikel und Nachrichten zu lesen. In einem Szenario wie diesem lief Google bei damaligen 1,6 Milliarden Facebook-Nutzern natürlich Gefahr, einfach trocken zu laufen. So ist es nur logisch, dass Google an dieser Stelle mit einer eigenen technischen Lösung konterte.

Warum sind AMP so erfolgreich?

Gestartet mit ein paar Dutzend Publishern, steht AMP seit 2016 jedem frei zur Verfügung. Wirklich ernst genommen wurde die Technologie anfangs jedoch nicht. AMP galt selbst unter SEO-Experten als Spezialthema des “mobile SEO”, das sich im Wesentlichen auf die Darstellung von Nachrichten in den Google-Suchergebnissen beziehe. Neben Google und Publishern erhielt AMP jedoch binnen kürzester Zeit einen ernstzunehmenden Schub durch App-Anbieter wie LinkedIn oder Flipboard, die lieber auf die schnell ladenden AMP verlinkten, statt auf die vergleichsweise langsam ladenden Original-Seiten. 

Mittels eines implementierten Prüfverfahrens können die Apps dabei auslesen, ob es zu verlinkten Web-Inhalten auch eine AMP-Version der Seite gibt. Da bereits im Header die jeweiligen Verknüpfungen zwischen Original-Seite und AMP verankert sind, lässt sich also in Sekundenbruchteilen feststellen, ob eine mobil-optimierte AMP vorliegt. Gleichzeitig ist aber auch gewährleistet, dass die Zusammengehörigkeit der jeweiligen Seiten klar definiert ist. 

AMP for E-Mail
AMP werden in der Google-Suche mit einem Blitz-Icon gekennzeichnet und in einem Karussell dargestellt. (Quelle: Google)

Laut der Mediengruppe SHZ aus Schleswig-Holstein beschleunigte sich in einem Selbstversuch der Zugriff auf die publizierten Inhalte durch die Umstellung der hauseigenen App auf AMP um das Vierfache. Gleichzeitig konnten so pro Session etwa 25% mehr Pageviews gezählt werden. Gegenüber seinem eigenen Online-Magazin betonte Chefredakteur Joachim Dreykluft, dass die Redaktion damit in puncto Ladezeiten und Lesbarkeit große Schritte voran gehen konnte.

AMP for E-Mail
WordPress-Entwickler und YoastSEO-Erfinder Joost de Valk, äußerte sich 2016 auf dem WordCamp US eindeutig:

Weiterhin ist die Optik dank des vereinfachten HTML-Codes leichter kontrollierbar und folgt einem weitgehend standardisierten Muster, das eine optimale Darstellung von Bildern und Lesbarkeit garantiert. Im Fall der SHZ bedeutet dies, dass Zeilenabstände, Seitenränder und Schrift vergrößert wurden und Bilder für die bessere Erkennbarkeit von Details nun quadratisch angezeigt werden – natürlich mit automatischer Anpassung aller Inhalte an die jeweilige Displaybreite.

Contra: Diese Argumente sprechen gegen die Verwendung von AMP

Obwohl besonders Publisher und App Entwickler Googles Konter zu den Facebook Instant Articels dankbar annehmen, empfängt natürlich nicht jeder die Technologie des Suchmaschinenriesen aus Mountain View mit klatschenden Händen. Neben dem Wissen, dass ähnlich schnelle Ladezeiten auch durch eigene – wenngleich auch aufwändigere – Optimierungen erreicht werden könnten, ist vor allem die Kritik um die Auslieferung der AMP durch Google Server laut. Denn großzügigerweise stellt Google seine Cloud zu Caching-Zwecken bereit, sodass AMP nicht etwa über den eigenen Webserver ausgeliefert werden, sondern – nah am Nutzer – durch einen Google Server. So verkürzen sich zwar die Ladezeiten, gleichzeitig ging dem AMP-Anwender aber auch der Traffic verloren, da beim Teilen und Weiterleiten nicht die Original-URL versendet wurde, sondern die Google-URL, die jede AMP-Seite erhält. Inzwischen hat Google jedoch reagiert und gibt beim Teilen von AMP-Seiten die Original-URL weiter. 

Weiterhin sehen Kritiker die Darstellung von News-Artikeln via AMP als ernstzunehmende Gefahrenquelle für Fake News. Schließlich erfahren AMP-Inhalte durch die Darstellung in einem Karussell und die “Adelung” durch benanntes Blitz-Icon ein hohes Maß an Aufmerksamkeit in den Suchergebnissen. Dank der uniformierten Optik aller AMP-Seiten und der Verschleierung der Original-URL könnten fragwürdige Inhalte schnell einen Weg zu großer Reichweite finden. Am verwerflichsten dürfte wohl aber sein, dass Google damit Seiten ausschließlich für die Nutzung der von Google bereitgestellten Technik, aber ungeachtet ihres Inhalts und ihrer Reputation privilegiert.

AMP for E-Mail: Eine Revolution des E-Mail Marketings

Gut ein Jahr nach der Ankündigung hat Google im März 2019 das neue Feature AMP for E-Mail an den Start gebracht und damit eine mögliche Revolution des Newsletter-Marketings eingeläutet. Mit Verwendung von AMP wird es möglich, Newsletter interaktiv zu gestalten: Newsletter können dann ähnlich wie Websites gestaltet werden und Interaktionen können auf diesem Weg direkt in der E-Mail stattfinden, statt wie zuvor dafür den E-Mail Client zu verlassen. Gleichzeitig ermöglicht die Technik eine nachträgliche Aktualisierung der Inhalte in den versendeten AMP-Newslettern. 

Im Zuge von AMP for E-Mail wurde die Technologie vorerst in den hauseigenen E-Mail Client Gmail integriert, doch Yahoo Mail, Outlook.com und Mail.ru unterstützen das Feature bereits ebenfalls. 

AMP for E-Mail
AMP for E-Mail: So könnte aktuell ein Newsletter von Pinterest aussehen (Quelle: Google)

AMP for E-Mail ermöglicht durch die interaktive Gestaltung der E-Mails eine gänzlich neue User Experience. Statt wie gewohnt aus dem Newsletter heraus auf eine Website geleitet zu werden, können Nutzer in AMP Mailings zum Beispiel einen Fragebogen ausfüllen, sich zu Events anmelden oder einen Termin bestätigen. Die Gestaltung der E-Mail als Website inklusive Navigation macht es zudem möglich, komplexe Inhalte, wie beispielsweise ganze Produktkataloge zu versenden. 

Aktuell nutzen bereits Booking.com, Doodle und Pinterest das neue AMP for E-Mail Feature. Laut Techcrunch, einem der weltweit führenden Online-Nachrichtenportale für Technologie-Unternehmen, sei es also durchaus möglich, bereits jetzt entsprechende AMP-Newsletter dieser Unternehmen im Posteingang zu finden, wenn Sie diese denn abonniert haben.

Das sagt Experte Sascha Döll zu AMP im Newsletter Marketing

Sascha Döll, unser Experte für E-Mail Marketing Software, steht den aktuellen Entwicklungen von AMP jedoch noch zurückhaltend gegenüber: „Da es sich bei AMP um ein von Google entwickeltes Framework handelt, wird die Technologie in erster Linie von Gmail unterstützt. Durch die Open-Source-Technologie, ist es jedoch wahrscheinlich, dass AMP mit der Zeit auch von anderen E-Mail-Clients unterstützt wird. Zu den ersten Nachzüglern gehören bereits Mail.ru, Yahoo! und Outlook.com, die für 2019 die Unterstützung von AMP-E-Mails angekündigt haben. Vielmehr hängt die Nutzung von AMP aber auch von der Unterstützung seitens des E-Mail Service Providers ab. Derzeit unterstützen nur die wenigsten ESPs den dritten, aber für AMP notwendigen, MIME-Typ.”

Aus diesem Grund schätzt Sascha Döll nach aktuellem Stand (Juli 2019) die Bedeutung von AMP in Deutschland noch als geringfügig ein: “In Deutschland hängt nicht nur der Anteil der mobilen Öffnungen von E-Mails den häufig veröffentlichten Benchmark-Studien hinterher. Auch die Verteilung der genutzten Clients zeigt hierzulande deutliche Spitzen in den derzeit von AMP nicht unterstützen Clients.”

Nichtsdestotrotz wird mailingwork die Entwicklungen genau im Auge behalten, da – sofern die technischen Voraussetzungen gegeben sein werden – auch laut Sascha Döll ein unermessliches Potenzial in der “neuen E-Mail” liegt: “Wenn es erst einmal soweit ist, können Marketingspezialisten mit Hilfe von AMP einfach dynamische und interaktive E-Mails erstellen. Benutzer bekommen so die Möglichkeit, durch Bildkarusselle oder Kataloge zu blättern, auf Kommentare von Google Docs zu antworten oder ein Formular direkt in ihrem Posteingang auszufüllen. Und natürlich lässt diese Revolution auf eine gesteigerte Kundenbindung sowie einen höheren ROI hoffen. Inwieweit dies am Ende eintreten wird und sich AMP for E-Mail am deutschen Markt durchsetzt, wird jedoch die Zeit zeigen.”

 


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jongliert als Texterin und Expertin für Content Marketing regelmäßig Worte für mailingwork.

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